Geschichte einer Reise und aktuelles
Dem Himmel ein Stück näher. Unsere Reise nach Yunnan und Tibet und unser Besuch am Mt. Everest. Erlebnisse, Hintergründe, Vorkehrungen.
Mit diesen Beschreibungen hier möchten wir Ihnen nicht nur einen Überblick vermitteln, wie komplex diese Reise ist, sondern auch einen Eindruck geben, auf welche besonderen, wunderbaren und einzigartigen Erlebnisse Sie sich mit uns freuen können.
Warnungen im Vorfeld der Reise
Im Vorfeld unserer sehr lange und gründlich vorbereiteten Reise nach Yunnan und Tibet, die erstmals im Juni 2019 stattfand, begegneten uns viele erstaunte Gesichter und warnende Reaktionen. Schuld daran waren die Medienberichte seinerzeit, worin von verwegenen und nicht-professionellen Bergsteigern am Mt. Everest berichtet wurde, die dort ihre Gesundheit und auch ihr Leben aufs Spiel setzen. Doch in diesen Warnungen - projiziert auf unsere Reise - gibt es Missverständnisse und auch fehlende Informationen.
Der Mt. Everest
Der Everest liegt genau an der Grenze zwischen Nepal und Tibet. Die mit Abstand meisten Besteigungen erfolgen von Nepal aus. Dafür gibt es drei Gründe. Die Strecke von Nepal aus ist vergleichsweise etwas leichter als die in Tibet. Die behördlichen Zwänge und Hindernisse in Form von Permits etc. sind in Nepal bei weitem nicht so groß wie die in Tibet (China). Der Preis für die Besteigung in Tibet (China) ist noch einmal deutlich höher als der in Nepal. So gibt es allenfalls eine Handvoll Bergsteiger jedes Jahr, die von Tibet ausgehend den Everest besteigen. Alle anderen machen sich von Nepal aus auf den Weg. Von diesen also wurde in den Medien berichtet.
Soweit zur Besteigung des Everest. Doch in unserer Reise war und ist niemals eine Besteigung vorgesehen. Auch keine verwegenen Trekking-Touren. Bei unserer Reise erleben wir den Everest auch hautnah, es ist das große Highlight am Ende der Reise. Doch wir fahren dahin. Wir fahren bis zum höchstgelegenen Kloster der Welt, dem Rongbuk-Kloster, auf 4.980 Meter. Dort können wir auch etwas herumspazieren. Aber wir machen uns nicht mit Spitzhacke auf zum Gipfel. Evtl. fahren wir auch bis zum Everest Base Camp, ca. 2-3 km hinter dem Rongbuk-Kloster gelegen. Doch das ist nicht immer erlaubt. Das ist aber kein Problem. Von beiden Plätzen aus ist ein unvergleichliches Erlebnis möglich.
Dieses Erlebnis ist einfach total überwältigend, auch wenn man nicht auf dem Gipfel steht.
Hier gleich noch eine interessante Information zur Attraktivität. Während die Besteigung des Gipfels von Nepal aus die attraktivere ist, ist für Nicht-Bergsteiger die Betrachtung des Everest von Tibet aus die weit attraktivere. Und der beste Platz dafür sind das Rongbuk-Kloster oder das Everest Base Camp.
Höhenkrankheit
Ein weiteres Vorurteil betrifft die Höhe und die mögliche Höhenkrankheit. Doch das beste Mittel gegen die mit der Höhe einhergehenden Probleme ist die allmähliche Anpassung an die Höhe. Aus gutem Grund beginnt unsere Reise in Yunnan und endet in Tibet und nicht umgekehrt. Wir haben gleich 10 Tage Zeit, um uns an die Höhe zu gewöhnen, während üblicherweise drei Tage als ausreichend empfohlen werden. In Yunnan kommen wir auf etwa 2000 - 3000 Meter und nur kurzzeitig auf etwa 4000 Meter. Das ist perfekt für die Vorbereitung auf Tibet.
Falls Sie sich für mögliche Probleme vorbereiten wollen, wäre es eine Idee, Sie fragen Ihren Hausarzt nach einem Medikament. Jedoch wissen alle Tibeter selbst am besten, wie man damit umgehen muss und haben dafür auch dort Medikamente.
Wenn man in Lhasa ankommt (3.660 m) und die Stufen zum Potala-Palast hinauf geht, merkt man wohl eine gewisse Schwere in den Beinen und eine Kurzatmigkeit. Aber das ist in dieser Höhe völlig normal. Das relativiert sich wieder, selbst in größerer Höhe. Unser tibetischer Reiseleiter wusste aus jahrelanger Erfahrung, wer in Lhasa keine Probleme hat, oder nur anfänglich, hat später bei der Reise auch keine, auch nicht wenn es höher hinauf geht.
In Lhasa bekommt man auch überall kleine Sauerstoffflaschen zu kaufen, und in den Hotelzimmern gibt es Geräte zur besseren Atmung.
Die Größe von Tibet
Tibet ist nicht nur das sogenannte Dach der Welt, sondern war ursprünglich auch ein riesiges Land. Es umfasste bis zur Besetzung durch China eine Größe, die der von Westeuropa entsprach. Heute gibt es die Provinz Tibet, mit der Hauptstadt Lhasa, die etwa halb so groß wie das alte Tibet ist. Die anderen Teile des alten Tibet sind heute autonome tibetische Regionen in anderen angrenzenden chinesischen Provinzen.
Eine dieser Regionen in Ost-Tibet - die heute zu Yunnan gehört - besuchen wir auch.
Reisebeginn Yunnan
Unsere Reise beginnt in Yunnan, der südlichsten Provinz von China, an den östlichen Ausläufern des Himalajas gelegen. Yunnan ist so groß, wie Deutschland und Holland zusammengenommen, es ist landschaftlich und kulturell hoch attraktiv, aber in Europa so gut wie unbekannt. Hier leben auch die meisten ethnischen Minderheiten von China. Über 30 sind anerkannt. Es soll aber noch mehr geben.
Yunnan war auch lange Zeit durch seine schwierige Zugänglichkeit eine der wirtschaftlich am wenigsten entwickelten Regionen Chinas. Hier liegt die berühmte Tigersprung-Schlucht, hier fließen der Yangtze und der wilde Mekong.
Gewaltige Pass-Straßen mit spektakulären Ausblicken wechseln sich ab. Doch hier gibt es auch sehr schöne alte Städte. Eine dieser Städte ist die Altstadt von Dali, die wir auch besuchen. Ganz in der Nähe von Dali gibt es auch die berühmten 3 Pagoden. Hier befand sich bis Mitte des 19. Jahrhunderts die größte buddhistische Kloster-Anlage der Welt. Zehntausend Mönche lebten hier einst.
Tigersprungschlucht
Ein Naturerlebnis der Extra-Klasse ist die Tigersprungschlucht, mit 3.900 Metern die tiefste Schlucht der Erde. Atemberaubende Felswände und Berge bis 5500 Meter umgeben diese Schlucht, durch die sich kraftvoll der Jangtsekiang windet.
Auf einer Besucherplattform am Anfang der Schlucht drängen sich viele Menschen und Busse. Wir passieren diese Stelle, durchfahren einen Tunnel und sind schlagartig in einer anderen Welt. Der Tunnel ist einfach zu schmal für die großen Reisebusse. Diese müssen im vorderen Bereich der Schlucht zurückbleiben. So sind große Teile der Tigersprungschlucht bis heute völlig verschont vom Massentourismus. Die Betreiber des Gästehauses empfangen uns sehr freundlich. Ein sagenhafter Panorama-Blick direkt von der Terrasse dieses Hauses.
Pass des weißen Pferdes (Bai Ma Pass)
Ein weiteres große Natur-Highlight bei dieser Reise ist der „Pass des weißen Pferdes“. Die schmale Passstraße schlängelt sich durch fantastische Landschaften. Keinerlei Fernverkehr gibt es hier oben. Idylle pur. Schneebedeckte Berggipfel des Ost-Himalaya am Horizont, weidende Yaks, grüne oder stellenweise sogar blühende Wiesen. Spazieren, schauen und tief einatmen. Hirten laden uns vielleicht zu einem Buttertee ein.
Das Dorf Jiabe
Unsere Reise geht weiter zum tibetischen Dorf Jiabe. Dieses steht auf keiner Landkarte. Es befindet sich in der autonomen tibetischen Region von Yunnan, in einem Seitental des Mekong, der hier noch ganz wild ist. Hier leben 30 Familien in traditionellen tibetischen Häusern.
Das Dorf ist eine grüne Oase. Es wird viel Gemüse und Obst angebaut. Wir übernachten bei einer tibetischen Familie, in einem traditionellen Bauernhof. Vom Flachdach dieses Hofes hat man einen Ausblick auf den 6.700 Meter hohen Kawa Karpo Berg, einer der drei heiligsten Berge für Tibeter.
Tibet und die Permits
Um von Yunnan nach Tibet und nach Lhasa weiterzureisen, benötigen wir gleich drei Spezialgenehmigungen. Eine für die Stadt Lhasa, eine für das Land Tibet und eine für den Everest. Diese werden von unserer lokalen Agentur erstellt.
Sieben Jahre Tibet
Dieser bekannte Film von 1997 (Drama und Abenteuer) beruht auf einer tatsächlichen Geschichte, die sich zwischen 1939 und 1944 und danach ereignete. Heinrich Harrer, egozentrischer österreichischer Bergsteiger, nimmt an einer Himalaya-Expedition am Nanga Parbat teil. Durch den Ausbruch des Zweiten Weltkrieges genau in jener Zeit, geraten die Bergsteiger in ein britisches Internierungslager. Von dort flüchten sie später nach Tibet. Dort, auf dem Dach der Welt, schließt Harrer Freundschaft mit dem 14. Dalai Lama. Eine Beziehung entsteht, die ihn durch und durch verändert. Gespielt wird Heinrich Harrer von Brad Pitt.
Diesen Film möchten wir wärmsten empfehlen. Wir werden während unserer Reise auch an original Schauplätzen vorbeikommen.
Die Tibet Bahn
Die Tibet Bahn oder die Lhasa Bahn ist eines der größten Eisenbahnbauprojekte der Welt. Auf viele übt der Nimbus, der um dieses Mammutbauwerk aus der Ferne schwebt, eine Anziehungskraft aus, ohne genau zu wissen, was einen erwartet.
Die Landschaften, die man während der Fahrt sehen kann, sind zweifellos großartig. Doch sie übertreffen das, was wir sonst auf unserer Reise durch Tibet sehen nicht.
Die Organisation der Tickets ist heute sehr komplex und läuft in wichtigen Teilen über den Schwarzmarkt. Wenn der Termin offiziell in den Verkauf kommt, sind die besten Plätze meistens schon weg. Die Fahrt von Lhasa nach Lanzhou beträgt 30 Stunden. Umgestiegen werden muss in Xining. Das Personal in dem Zug spricht kein Wort Englisch. Und mit "kein" ist hier wirklich keines gemeint. Auch nicht Yes oder No.
Man sollte auch eine gewisse "Schmerzfreiheit" mitbringen. Dieser Zug ist kein ICE. Insbesondere auch nicht, was die Toiletten und Waschmöglichkeiten betrifft. Am Anfang ist noch alles ok. Doch nach 24 h sieht dort alles ganz anders aus.
Hinzu kommt aktuell ein ganz neues Problem. In China wird zunehmen bargeldloses Bezahlen eingeführt. Sollte das zum Zeitpunkt Ihrer Reise auch in diesem Zug gelten, benötigen Sie eine chinesische App auf Ihrem Handy, die Sie mit Sicherheit nicht bedienen können. Von der notwendigen Verknüpfung zu einer chinesischen Bank ganz zu schweigen.
Wenn Sie sich dennoch auf dieses durchaus sehr eindrucksvolle Abenteuer auf machen, dann empfehlen wir die Fahrt von Lanzhou nach Lhasa, und zuvor ggf. einen Flug nach Lanzhou. Aber jeder soll gut einschätzen, worauf er sich einlässt. Und auf einen deutschsprachigen Guide zu hoffen, ist nahezu aussichtslos.
REISE-TIPP: Sollten Sie sich dennoch zu diesem Abenteuer aufmachen, achten Sie unbedingt auf diese wichtigen Punkte:
- Sollten Sie von Lhasa nach Lanzhou starten, nehmen Sie einen Zug, der am Morgen oder am Vormittag in Lhasa startet. Damit Sie die schönen Landschaften am Tage erleben können.
- Sollten Sie in Lanzhou starten, dann umgedreht. Am Abend losfahren. Dann können Sie schlafen, wenn es nicht so spannend ist.
- Achten Sie darauf, unbedingt ein Ticket 1. Klasse zu bekommen.
- Achten Sie unbedingt darauf, eine Liege unten zu bekommen. Haben Sie die Liege oben, werden Sie bei ausgeklappten Liegen kaum etwas sehen. Das große Fenster ist unten. Dann können Sie nur hoffen, dass der Gast unten gnädig ist, oder Sie müssen sich in den Gang stellen, wenn Sie hinausschauen wollen. Viele Chinesen, die diese Strecke schon oft gefahren sind, machen sich schon sehr früh fertig zum Schlafen.
- Bei dieser Fahrt wird Ihnen der Schaffner die Tickets abnehmen. Sie bekommen diese vor dem Ausstieg wieder. In Xining werden Sie umsteigen müssen. Der andere Zug steht normalerweise direkt gegenüber.
Bargeldloses Bezahlen
Bargeldlosen bezahlen ist in China weit verbreitet. Dies erfolgt über eine App, nicht über unsere Kreditkarten. Unsere Reiseleiter haben auf jeden Fall eine solche App auf dem Handy und springen ein, wenn dies für die Gäste nicht möglich ist. Das wird vermerkt und später ausgeglichen. Das ist Routine und kein Problem.
Deutschsprachige Reiseleiter
Zertifizierte deutschsprachige Reiseleiter sind rar in China. Doch besonders rar sind sie in Tibet. Aber ein zertifizierter Reiseleiter ist unerlässlich. In Einzelfällen wird die Reiseleitung in Tibet englisch sprachig sein.